Der erste Tag geht zu Ende. Wir waren bei der Rally der PA Democrats mit Kandidat:innen für das US House of Representatives und das Pennsylvania House of Reps (Meghan Kocher, Matt Cartwright, Eddie Day Pashinski). Spannend wird, ob Cartwright seinen Sitz verteidigen kann. Das Rennen um das House ist offen, die Chance ist 52:48 für die Republikaner.
„Rally“ heißt in unserem Fall: Man jubelt auf einem Parkplatz hinter einem nach Teppichboden riechenden Einfamilienhaus, in das sich die Gewerkschaft eingemietet hat, den Redner:innen zu. Ich bin verwirrt: Ich sehe keine Presse und für die Allgemeinheit sind wir auf dem eingezäunten Parkplatz auch nicht sichtbar. Später erfahre ich: Die Rally dient vor allem uns Volunteers als Motivation. Auch nicht schlecht.
Spannender ist das Canvassing, also das Klopfen an die Türen der Wähler:innen. Macht die richtige Person die Tür auf? Wie wird die reagieren, wenn der 25. Wahlhelfer anklopft (die Leute in den Swing States werden mit Werbematerial und Hausbesuchen überhäuft)? Soll ich überhaupt an die Tür klopfen, wenn der Vorgarten voller Trump-Schilder ist? Werde ich dabei erschossen?
Die angenehme Überraschung ist: Die allermeisten amerikanischen Wähler:innen in den Kleinstädten von Pennsylvania sind weitaus freundlicher und gechillter als die österreichischen Pendants. Die allermeisten sind sowieso nicht daheim, machen nicht auf oder haben keine Zeit. Bemerkenswert unfreundlich war nur ein älterer Herr, der uns, als er uns als fucking democrats identifiziert hatte, mit den unzierlichen Worten (get the fuck off my porch) seiner Terrasse verwiesen hat.
Gleich darauf folgt das positive Gegenbeispiel für Freundlichkeit: Ich klopfe an eine Tür und hänge gerade Infomaterial an den Knauf, als die Tür plötzlich aufgeht und ein ungepflegter, verschwitzer, gestresster und vor allem bewaffneter Typ herausprescht, der grad Stress mit der Familie hat, ein ängstlicher Bub schaut beim Fenster heraus. Erster Gedanke: Das wars jetzt, ich bin Toast. Zweiter Gedanke: Trotzdem ein freundliches Gespräch versuchen.
Und siehe da, er steigt darauf ein, meint aber gleich „I am a Trump-guy“, der aber nicht wählt, because he hates the government. Wir einigen uns darauf, dass wir wohl nicht mehr einer Meinung werden und verabschieden uns. Und siehe da, zum Abschied sagt er tatsächlich, das sei das netteste Gespräch gewesen, das er seit langer Zeit hatte.
Ein Teil von mir möchte vor Rührung in Tränen ausbrechen. Mein Kopf sagt: Siehe da, wenn man Menschen mit ehrlichem Interesse begegnet (das ist die Hauptaufgabe beim Canvassing), kommen überraschende Ergebnisse raus. Weit weg von einer Stimme für die Dems, aber best we can do.

