Tag 5 (30.10.2024): Scranton, the electric city / Das „sch“ in Schienen steht für Schluss

Vier Tage Canvassing und damit die Zeit in Pennsylvania gehen zu Ende. Tag 5 ist Abreisetag, aber ich habe noch Zeit, bis mein Greyhound-Bus geht. Meine Volunteer Friends schütteln nur den Kopf über mich und wissen nicht, ob sie mich bemitleiden oder besser von der Busreise abhalten sollen. Sie finden es jedenfalls sehr unterhaltsam, was ich mir antue.

Ich verbringe den Großteil des Tages in Scranton, Pennsylvania, bekannt für zwei Dinge: Erstens Geburtsort von Joe Biden und zweitens Dreh- und Handlungsort von The Office. Auch das sorgt für Lachen: Jetzt fährt der Weirdo/Nerd auch noch in so ein random Kaff in Pennsylvania wegen einer TV-Serie! „Thomas, you’re just too hilarious!“ OK, danke für das Kompliment – I guess?

Scranton ist aber ein Pflichtbesuch für Fans, die auch wissen, warum Scranton „The Electric City“ genannt wird: Weil hier die erste elektrische Straßenbahn der USA fuhr. Kaum zu glauben, es gab ein weites Netz von Straßenbahnen und sogar regionale Zugverbindungen! Nichts davon hat die Machtübernahme durch das Auto und den motorisierten Individualverkehr überlebt. In den 1950er-Jahren war Schluss mit allem, was elektrisch fährt, und praktisch allem, was auf Schienen unterwegs war. 

Dieses Schicksal wurde auch dem einst (um die Jahrhundertwende) modernsten Schienennetz der Welt zuteil. Im Museum „Steamtown“, das ein Nationalpark ist, kann man alte Dampfloks und die Geschichte der einst stolzen Eisenbahn in den USA anschauen, einst Rückgrat der Wirtschaft, des Wachstums, des Verkehrs, des Fortschritts und der Eroberung (oder sollte man sagen: der unfreundlichen Übernahme) des Landes. Wie es um die Gegenwart und mögliche die Zukunft der Eisenbahn in den USA steht, wird leider nicht thematisiert. Je nachdem, wie die Wahlen ausgehen, steht es besser oder schlechter. Die Demokrat:innen sind gemeinhin eher dafür bekannt, in die Eisenbahn zu investieren, unter „Amtrak-Joe“ (Biden ist als Senator jahrelang mit dem Amtrak-Zug nach DC gependelt) ging es dem Personenverkehr der Bahn besser als je zuvor. Von Trump und den Republikanern, die jegliche Subvention von Infrastruktur als Sozialismus verteufeln (außer es geht um Straßen, da wird großzügig subventioniert), wird man das kaum erwarten können.

Zurück in Wilkes-Barre erklimme ich am Abend die Treppen eines Busses Richtung Harrisburg-Pittsburgh-Detroit und bin angenehm überrascht: modern, komfortabel, WiFi. Alles bestens, so lässt es sich reisen! Vorerst.

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